Veröffentlicht in:
Zeitschrift des Rheinischen Archiv- und Museumsamtes des Landschaftsverband Rheinland, Dezember 2003, S. 14-18

Positionen

„Ich will, dass junge künstlerische Strategien besser verstanden werden.”

Necmi Sönmez und die Vorliebe für schräge Dinge

Christine Hartmann

Irritationen rufen sie beim Betrachter hervor, die künstlerischen Aktionen, mit denen das Museum Folkwang und die Städtische Galerie im Museum Folkwang Essen seit geraumer Zeit von sich reden machen. Vor kurzem mit einer Aktion unter dem Motto „Sukûn / Stille – über den Wunsch und die Mühsal Kunst zum Beruf zu machen”. 15 Künstlerinnen und Künstler sowie Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Süd in Essen waren aufgefordert, sich mit den Produktionsbedingungen der zeitgenössischen Kunst auseinanderzusetzen. Es entstanden 16 Projekte, darunter das zwischen Museum Folkwang und Zeche Zollverein pendelnde „Hades-Taxi” des Künstlers Helmut Dick, das für reichlich Gesprächsstoff unter den Passanten sorgte und zur Freude der Presse sogar ein Knöllchen für falsches Parken erhielt. Unter den Projekten waren auch die Installation der in Düsseldorf lebenden Künstlerin Luka Fineisen, die Seifenschaum vom Dach des Museum Folkwang herabwallen ließ, und die Arbeit des türkischen Künstlers Ragib Basmazölmez, der die beleuchteten Glassteine entlang des Essener Kulturpfades um mit farbenfrohem Stoff umwickelte Pflastersteine ergänzte. Innerhalb von „Sukûn” gab es auch eine Fotoaktion von Schülerinnen und Schülern der Klassen 6 bis 12 der Gesamtschule Süd unter dem Titel: „Mach Dir ein Bild von Essen”. Ergebnis der Aktion waren 25.000 gedruckte Freecards mit unterschiedlichen Fotomotiven, die für „Sukûn” warben und kostenlos in Cafes auslagen.

Sechzehn Projekte plus eins: „Der gemietete Kurator” – so der Titel der 17. Aktion, die uns neugierig machte auf ihren Urheber.

Dr. Necmi Sönmez, seit Februar 2001 Kurator für zeitgenössische Kunst am Museum Folkwang Essen, zugleich auch Leiter der Städtischen Galerie im Museum Folkwang, bot an, während der zweiwöchigen Laufzeit von „Sukûn – Stille” Menschen im Hinblick auf ihr persönliches Kreativitätspotential zu beraten. Eine einstündige Sitzung kostete 150 Euro, die dafür verwendet wurden, eine die Aktion dokumentierende Publikation finanziell zu unterstützen. Welche Resonanz fand das Angebot? „Es waren 30 bis 40 Bewerber, die diesem Appell an kreative Menschen gefolgt sind. Er richtete sich ja nicht eigentlich an Künstler, sondern an Menschen, die auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten für ihre ganz persönlichen Bedürfnisse sind. Sie alle waren ja zuvor noch nie meine ‚Kunden’, sondern mein Publikum. Ich bin sogar gefragt worden, ob ich bereit wäre, ihre Entwicklung kontinuierlich zu begleiten. Das ist natürlich nicht möglich; für mich war das ein Experiment, das auch dazu diente, meine Rolle als Vermittler in Frage zu stellen. Meine ‚Kunden’ haben erlebt, was ein Kurator macht. Die Vermittlerrolle muss man heute ja auch als eine kreative Tätigkeit wahrnehmen.”

„Sukûn – Stille” fand im Rahmen des von Necmi Sönmez entwickelten neuen Konzeptes für die „Städtische Galerie im Museum Folkwang” statt. Den in der Region lebenden Künstlern Artikulationsmöglichkeiten zu verschaffen und ihnen den Zugang zur internationalen Kunstszene zu eröffnen, ist Anliegen der Städtischen Galerie. Sönmez entwickelte daraus die „Mobile städtische Galerie”, die der Tatsache Rechnung tragen soll, dass sich aktuelle Kunst nicht mehr in das Raster von Ausstellungsräumen pressen lässt. „Bestehende Strukturen der Ausstellungshäuser entsprechen nicht mehr den Arbeitsweisen der Künstler und verhindern statt dessen oft den offenen Dialog mit den Betrachtern”, so Sönmez.

Necmi Sönmez, 1968 in Istanbul geboren und dort aufgewachsen, lebt seit 1990 in Deutschland, studierte in Istanbul Journalistik, in Mainz und Frankfurt Kunstgeschichte, promovierte bei Stefan Germer und Manfred Schneckenburger mit einer monografischen Arbeit über Wolfgang Laib. Seit Februar 2001 ist er – angestellt für die Dauer von fünf Jahren – Kurator für zeitgenössische Kunst am Museum Folkwang und Leiter der Städtischen Galerie im Museum Folkwang. „Zwar habe ich promoviert, aber ich bin kein gewöhnlicher Kunsthistoriker. Ich suche nach neuen Vermittlungsstrategien. Wenn wir nicht andere Menschen erreichen, dann haben wir unsere Arbeit nicht gut getan. Museum ist für mich kein Ort von Wertsteigerung oder Wertkonstruktion, sondern ein Ort der neuen Lebenserfahrung.”

Bei seiner Vermittlungsarbeit konzentriert sich Sönmez insbesondere auf die Arbeit mit Jugendlichen. Seit Jahren steht er in Kontakt mit Schülern der Gesamtschule Süd. „Gerade diese Zusammenarbeit war für mich wie eine Initialzündung. 13-jährige Kinder haben mir ins Gesicht gesagt: ‚Museum ist tot. Wir kommen nicht ins Museum.’ Museum ist tot: Das war der Auslöser. Ich habe gesagt, wenn die Kids das so klar formulieren, müssen sie wirklich dahinter stehen. Und dann habe ich angefangen, Strategien zu entwickeln, um gegenzusteuern. Wie kann ich mit diesen Jugendlichen einen Dialog aufbauen, bei dem sie sich einerseits kreativ betätigen, aber andererseits mit Kunst der Gegenwart auseinandersetzen können. Ich habe mehrere Projekte sowohl im Rahmen der Mobilen Städtischen Galerie als auch in der Ausstellungsreihe ‚Einsiedler – vorübergehend’ initiiert. Als Beispiel: Der Künstler Daniel Knorr hat einen Bettelroboter konstruiert, der in Essen von Jugendlichen vorgeführt wurde. Wenn man die rote Nase drückte, sagte der Roboter: ‚Toll siehst du aus. Haste ma 'ne Mark?’ Wenn man eine Mark einwarf, bedankte er sich. Mit diesem Bettelroboter sind wir auf die Straße gegangen, haben Geld gesammelt und damit die Finanzierung von Katalogen unterstützt.” Auch gingen Schüler mit Sammelbüchsen auf die Straße, auf denen in großen Lettern „Museum Folkwang Essen” geschrieben stand.

Dass das Museum Folkwang als eines der renommiertesten Museen auf die Straße geht, um Geld zu sammeln, rief Befremden hervor. „Manche Passanten reagierten ungehalten oder verständnislos. Natürlich haben wir auch böse Briefe bekommen, dass wir den Namen des Museums in den Schmutz ziehen. Aber in jedem Fall haben wir einen kommunikativen Prozess in Gang gesetzt und somit eine Menge erreicht. Einige der Passanten sind tatsächlich in der Folge ins Museum gekommen, um die Ausstellung anzusehen. Für manche war dies eine enorme Hürde. Wir haben die Roboter ausgestellt, mit denen sie ja inzwischen vertraut waren, und dann sind sie gekommen.” Alle Aktionen haben eines gemeinsam: Sie erwecken Neugier. „Wenn man einen Einstieg wählt, der einen schmunzeln lässt oder neugierig macht, hat man gewonnen. Ich nutze dies, um das Interesse auf das Museum zu lenken. Damit sie ins Museum kommen, mit uns Gespräche führen, unsere Publikationen lesen; damit sie es sich am Wochenende, an einem Nachmittag hier schön machen und den Zugang zu einer anderen Welt finden.”

Wie sieht Necmi Sönmez seine Aufgabe speziell am Museum Folkwang? „Ich war 31 Jahre alt, als ich diese Stelle bekam. Sie war in den 1960er und 1970er Jahren eine der wichtigsten Stellen im Bereich der zeitgenössischen Kunst im deutschsprachigen Raum. Es war Folkwang-Tradition, dass junge internationale Künstler ihre erste Einzelpräsentation nördlich der Alpen hier in diesem Museum hatten. Ausstellungen der damaligen Kuratoren für zeitgenössische Kunst – Zdenek Felix, Friedemann Malsch oder Ulrich Krempel – haben hier eine internationale Ebene geschaffen und Maßstäbe gesetzt. Vielen jungen Künstlern hat es geholfen, dass sie ihre Arbeiten ohne enges kuratorisches Korsett präsentieren konnten. Mein direkter Vorgänger, Gerhard Finckh, hat hier hervorragende Ausstellungen im Bereich abstrakter Malerei gemacht. Jedoch stellte er in seinen Ausstellungen nicht einzelne Positionen vor, sondern führte thematische Ausstellungen durch, startete Ordnungsversuche. Diese bedeuteten eine Art Zäsur für das Museum. Als junger Mann im Museum Folkwang musste ich entscheiden, wie ich weiter vorgehe. Es schien mir interessanter, die ‚Linie Folkwang’ wieder aufzugreifen und fortzusetzen. So habe ich wieder damit angefangen, junge Künstler, so um die 35, einzuladen und mit der Realisierung von Projekten zu beauftragen, damit sie eine Präsentationsmöglichkeit bekommen und erste Kataloge erhalten.” Auch beruft sich Sönmez mit seinem Vermittlungsansatz auf den Museumsgründer Karl Ernst Osthaus. „Seine Herangehensweise, seine Glaube an Menschen, das ist wichtig. Ich glaube auch an Menschen. All diese Dinge machen wir nur für sie”, sagt Sönmez.

Sönmez steht in kontinuierlichem Dialog mit jungen Künstlerinnen und Künstlern und Kuratoren als Kunstvermittlern. 2001 startete er die Reihe „Neue Werkstrategien” mit einem Gesprächsforum in Essen, das 2003 in Arnheim fortgesetzt wurde. „Da tragen junge Künstler ihre Ansätze und Ideen vor, und ich überlege, ob ich sie hier im Rahmen meiner Konzepte präsentieren kann.” Im interessanten Dokumentationsband heißt es: „Neue Werkstrategien ist kein zielgerichtetes, national festgelegtes Projekt, sondern ein mobiles, experimentell angelegtes, kommunikativ ausgerichtetes Work in Progress, das eher aufbrechen und anstoßen als definieren will.”

Einmal im Jahr widmet Sönmez eine Einzelausstellung in den Räumen des Museums einem bereits arrivierten Künstler. Er begann 2001 mit einer Präsentation zum Werk von Wolfgang Laib, 2002 zeigte er erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung Arbeiten der Französin Elisabeth Ballet. Ab 12. Dezember 2003 präsentiert er den österreichischen Künstler Martin Gostner und im kommenden Jahr Rainer Ruthenbeck. „Es ist eine wichtige Strategie, dass man nicht nur junge Künstler oder emerging artists zeigt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich, Rainer Ruthenbeck hier präsentieren zu können. Er hat viele Themen angesprochen, die wir heute erweitern. Mein Ausgangspunkt ist immer die künstlerische Strategie. Ich habe eine Vorliebe für schräge Sachen, durch die man Dinge anders wahrnimmt.”

 

Veröffentlicht in:
RWE Mitarbeiterzeitschrift, März 2001

Warum hat sich RWE für die Förderung zeitgenössischer Kunst entschieden? Hat das Museum den Vorschlag gemacht? Warum?

Necmi Sönmez:Der Kooperationsvertrag zwischen RWE und dem Museum Folkwang wurde von der Direktion des Museums und vom Vorstand der RWE AG ausgearbeitet. Diese Kooperation zu Gunsten der zeitgenössischen Kunst einzusetzen, beruht auf Entscheidungen von beide Seiten. Wie Sie wissen, haben mehrere Mäzene in Essen seit Anfang des 19. Jhs große kulturelle Leistungen erbracht. Diese Tradition hat viele Spuren hinterlassen und die Entwicklungen in den letzten Jahrezehnten haben gezeigt, dass sich die Unternehmen bei ihren Förderungsprogrammen auf bestimmte Gebiete konzentriert haben. Weil Sponsoring im alten Stil historisch überholt ist, sind neue Strategien, mehr Spezialisierung und die Internationalität gefragt. Bei der bestehenden Landschaft der Kulturförderung eine Anerkennung zu finden, bedeutet heute nicht nur eine spezielle Unternehmungsphilosophie zu entwickeln, sondern auch neue Bereiche zu entdecken, um dort noch nicht aufgebrachte Förderungsleistungen aufzubringen. Leider spielte die Förderung der zeitgenössischen Kunst bis zur Kooperation zwischen Museum und RWE nie eine große Rolle bei der aktuellen Sponsoringspezialisierung der Unternehmen. Sicherlich ist die Protektion der Gegenwartskunst keine einfache Sache, da die Arbeiten der jungen KünstlerInnen keine Übersetzungsleistungen bereits vorgefundener Bedürfnisse geben. Durch diese Unterstützung stellt sich der RWE-Konzern auf die Seite des schöpferischen Unternehmertums, das neue Wahrnehmungsgewohnheiten und Umwälzungen hervorruft. Was heißt das? Es wird gefunden, was nicht da ist, nicht durchgesetzt ist. Die umstrittenen Ideen, die Arbeiten der jungen KünstlerInnen bieten eine hervorragende Gelegenheit, diese Art von Umwälzungen eher zu verstehen und zu interpretieren.

 

Welche „Duftmarken” wollen Sie als neuer Kurator im Rahmen der Kooperation setzen? Was wird sich ändern? Warum? Ist die gegenwärtige Ausstellung „Arbeiten für ein verstecktes Kind” wegweisend für das geänderte Konzept? Wenn ja, inwiefern?

N.S.: In der zeitgenössischen Kunst findet seit einiger Zeit eine tiefgreifende Strukturveränderung statt. Die Ausstellungsorte und Präsentationsformen, aber auch das Verhältnis der Künstler zu den Institutionen werden nicht mehr fest definierten Bedeutungen, Vorstellungen und Aufgaben unterworfen. Die Definitionen der Aufgaben der einzelnen Partner, die an der Entstehung einer Ausstellung aktiv teilnehmen, lassen sich nicht mehr kategorisch einordnen. Seit Ende der 90er Jahre ist eine Entwicklung in der internationalen Kunstszene zu beobachten, die sich in subversiven Formen künstlerischer Praxis manifestiert. Auf der Grundlage der verschiedenen nationalen Traditionen bedienen sich junge Künstlerinnen und Künstler vorhandener, das tägliche Leben strukturierender Systeme und erproben mit unterschiedlichen Medien eine Verschiebung der traditionellen Bedeutungen. Durch die veränderte Betrachtungsweise erhalten alltägliche Phänomene eine neue Signifikanz.

Meine Ausstellungen möchten zukünftig diese Veränderungen reflektieren.

Der Titel und das Konzept der Ulrike Kessl Ausstellung „Arbeiten für ein verstecktes Kind” ist daher als Experimentierfeld zu begreifen, in dem neue Ansätze analog zur künstlerischen Praxis und dem Diskurs der aktuellen Kunst gefunden werden sollen.

 

Wie geht es weiter? Welche Ausstellungen sind in Planung? Warum gerade diese Künstler? Wie lange läuft die Kooperation noch?

N.S.: Die Zusammenarbeit entwickelt sich im Rahmen des Kooperationsvertrages. Wir planen zwei Einzelpräsentationen der jungen KünstlerInnen im RWE-Turm zu präsentieren; eine große Ausstellung von Wolfgang Laib wird sowohl im Museum als auch im RWE-Turm zu sehen sein. Auch für die internationale Ausstellungsreihe der junge Kunst „Einsiedler-Vorübergend 02” möchten wir beide Orte einbeziehen. Dadurch wird der RWE-Turm eine organische Brückenkopf-Rolle übernehmen. Damit wird auch zum Ausdruck gebracht, dass wir durch diese Ausstellungen nicht nur ein kunstinteressiertes Publikum als unsere Zielgruppe definieren, sondern von Anfang an RWE-MitarbeiterInnen in unsere Aktivitäten integrieren. Die Betreuung der MitarbeiterInnen ist eine meiner wichtigsten Aufgaben.

Bei der Auswahl der KünstlerInnen legen wir großen Wert darauf, dass wir eine Balance zwischen sich international etablierten Gegenwartskünstlern und Vertretern der jungen Generation herstellen. Die Kooperation ist langfristig angelegt und die Erfolge der seit 1999 durchgeführten Ausstellungen zeigen, dass das Engagement der RWE für die zeitgenössische Kunst eine regionale und nationale Beachtung gefunden hat.

 

Was unterscheidet den Turm von anderen Ausstellungsräumen? Inwieweit müssen sich die Künstler auf die Architektur des Turmes einlassen? Was war Ihr erster Eindruck vom Turm?

N.S.: Der RWE-Turm besitzt einen sehr markanten und schwierigen architektonischen Rahmen, der eigentlich keinen freien Entfaltungsraum für die Kunstwerke bietet. In diesem Sinne ist die Architektur des Raumes eine wahre Herausforderung für die zeitgenössische Kunst. Jede Ausstellung muss sich hier erst einmal behaupten. Ich glaube hierdurch entstehen neue Erfahrungsmöglichkeiten für KünstlerInnen. Ein wechselseitiger Kommunikationsfluß zwischen Architektur und Kunstwerk ermöglichen hier einen spannenden Dialog. Deshalb handelt es sich bei der Turm-Ausstellung weniger um eine abgeschlossene Präsentation, als um Vorschläge, Impulse und Denkanstösse. Die unterschiedlichen Herangehensweisen der KünstlerInnen mit der Architektur spiegeln die Heterogenität des aktuellen Kunstgeschehens, das in spielerischen Übergängen mit der Vielfalt unserer sozialen Erfahrungen und visuellen Wahrnehmungen operiert. Die Kunstwerke fügen der Architektur hinzu, was sie nicht haben und umgekehrt erhält sie etwas von der Architektur. Mein allererster Eindruck war: Coolness.

 

Wie konzipieren Sie als Kurator eine Ausstellung? „Graben” Sie zuerst in Ihren Dossiers nach einem geeigneten Künstler für den Turm oder suchen Sie zunächst ein Thema für eine Ausstellung? Wie ist der genaue Ablauf in der Zusammenarbeit mit der RWE bei der Planung einer Ausstellung? Unterscheidet sich die Planung von RWE-Ausstellungen von „normalen” Ausstellungen? Inwiefern? Wer macht was (z. B. Werbung, Klärung von feuerpolizeilichen Auflagen, wer hängt die Bilder auf etc.)? Wie lange planen Sie im Voraus?

N.S.: Mein Ausgangspunkt für eine Ausstellung ist immer ein Konzept, das ich manchmal vier oder fünf Jahre lang vorbereite. Mein Hauptziel ist es, den jungen, internationalen KünstlerInnen die Chance zu geben, eine kompakte Präsentation ihrer Arbeit auszustellen. Das besondere Interesse meiner Ausstellungen gilt der Öffnung der deutschsprachigen Kunstwelt über eurozentrische Einseitigkeit hinaus gegenüber der Kunst anderer Länder. Neue künstlerische Erfahrungen aus anderen Kulturen und Kontinenten sollen aufgenommen und die durch die Migration nach Europa - auch in der zweiten Generation - entstandenen Positionen von Künstlerinnen und Künstlern dargestellt werden. Die geplante Präsentation im RWE-Turm und im Museum widmet sich KünstlerInnen, die sich von einem althergebrachten Werkbegriff befreit haben. Bei der RWE-Ausstellungsplanung arbeite ich genauso wie bei den Museumsausstellungen. Das Konzept und die Vorstellung der vorgesehenen KünstlerInnen reiche ich ein, dann diskutieren wir über Entwürfe, Ideen und Anliegen und wie weit sie eine eigenständige Position entwickeln können. RWE hält sich bei den Ausstellungsvorschlägen weitgehend zurück und hat uns eine organisatorische Freiheit eingeräumt. Die Projektentwicklung, Realisierung, Katalogherstellung und PR-Arbeit wird in Zusammenarbeit mit RWE durchgeführt. Die Präsentation der Kunstwerke übernehme ich in Absprache mit den KünstlerInnen. Um eine effektive Zusammenarbeit entwickeln zu können, planen wir zwei oder drei Jahre voraus.

 

Was erwarten Sie als Kurator von einem Sponsor?

N.S.: Ich erwarte von einem Sponsor Mut.